„Jeder Fuß erzählt eine Geschichte“ – RUCK Akademie-Dozentin Anke Niederau im Portrait

Hinter jedem guten Kurs steckt ein Mensch.

In dieser neuen Serie stellen wir Ihnen die Dozent:innen vor, die unsere Kurse oder Webinare bei der RUCK Akademie gestalten – mit ihrem Fachwissen, ihrer Leidenschaft, ihrer Erfahrung.

Den Auftakt macht Anke Niederau:

  • Podologin seit mehr als 36 Jahren
  • sektorale Heilpraktikerin Podologie mit eigener Praxis in Düsseldorf
  • Dozentin im In- und Ausland und Autorin des Standardwerks „Das große Buch der Nagelerkrankungen“
  • Ihre Schwerpunkte: Nagelerkrankungen und deren Therapie, ganzheitliche Podologie, Orthosen und die Behandlung von Kinderfüßen.

Im Interview spricht sie über ihren Berufsweg, ihre Sicht auf die Branche – und verrät, was ihr bei der Wissensvermittlung besonders am Herzen liegt. Ihre aktuellen Kurse finden Sie direkt im Anschluss.

Lächelnde Dozentin Anke Niederau, erfahrene Podologin und Autorin, porträtiert für die Dozent:innen-Serie der RUCK Akademie.

Frau Niederau, Sie sind seit über 36 Jahren in der Podologie tätig. Was hat Sie damals bewegt, diesen Beruf zu ergreifen – und was begeistert Sie bis heute daran?

Als ich in die Podologie eingestiegen bin, war mein Hauptantrieb der Wunsch, mit den Händen zu arbeiten und gleichzeitig medizinisch sinnvoll zu helfen. Mich hat schon früh fasziniert, wie stark die Füße die Lebensqualität eines Menschen beeinflussen – insbesondere bei älteren oder chronisch kranken Patienten. Oft sind es scheinbar kleine Probleme, die große Auswirkungen auf Mobilität, Selbstständigkeit und Wohlbefinden haben.

Was mich damals überzeugt hat, war die Kombination aus handwerklichem Können, medizinischem Verständnis und dem direkten Kontakt zum Menschen. Bis heute begeistert mich genau diese Mischung. Kein Tag ist wie der andere – denn jeder Fuß erzählt seine eigene Geschichte.

Warum haben Sie sich entschieden, Ihr Wissen als Dozentin und Autorin weiterzugeben?

Mit den Jahren habe ich gemerkt, dass sich in der Podologie unglaublich viel Erfahrungswissen ansammelt, das man in keinem Lehrbuch vollständig findet. Genau dieses Wissen – die feinen Unterschiede, das geschulte Auge, das richtige Einschätzen von Risiken – wollte ich nicht für mich behalten, sondern weitergeben.

Junge Kolleginnen und Kollegen sicherer im Alltag zu machen und die Podologie als Fachgebiet weiterzuentwickeln – darum geht es mir. In der Lehre erlebe ich immer wieder, wie wichtig es ist, nicht nur Techniken zu vermitteln, sondern auch klinisches Denken zu fördern – also die Fähigkeit, medizinische Situationen zu analysieren und daraus diagnostische und therapeutische Entscheidungen abzuleiten. Genau das macht für mich den Unterschied zwischen bloßer Ausführung und echter Fachkompetenz aus.

Als Autorin habe ich zusätzlich die Möglichkeit, Inhalte strukturiert aufzubereiten und auch über den direkten Unterricht hinaus zugänglich zu machen. Es erfüllt mich zu sehen, wenn meine Arbeit dazu beiträgt, dass Behandlungen sicherer, fundierter und letztlich auch erfolgreicher werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen und Trends in der Branche?

Die Podologie ist in einer spannenden, aber auch herausfordernden Phase. Die Branche wächst, die Nachfrage steigt – gleichzeitig verändern sich die Anforderungen deutlich. Ein zentrales Thema ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften: Viele Praxen sind ausgelastet, finden aber kaum Personal. Gleichzeitig werden die Patienten immer älter, die Krankheitsbilder immer komplexer: Wir sehen mehr diabetische Füße, multimorbide Patienten und schwierige Wundsituationen. Die Podologie entwickelt sich dadurch immer mehr zu einem medizinisch anspruchsvollen Fachgebiet.

Was mich optimistisch stimmt: Die Entwicklung geht klar in Richtung medizinische Spezialisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Patienten erwarten heute mehr – Beratung, Prävention, Aufklärung. Das ist eine echte Chance für gut ausgebildete Fachkräfte, den Beruf aktiv zu gestalten und die Podologie als Disziplin weiterzuentwickeln.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung?

Es gibt viele Faktoren – aber entscheidend ist vor allem die Verbindung aus fachlicher Kompetenz und echter Patientenbeziehung. Eine erfolgreiche Behandlung beginnt mit einer präzisen Befunderhebung und dem frühen Erkennen von Risiken. Aber ohne Vertrauen gibt es keine nachhaltige Therapie: Der Patient muss sich ernst genommen und verstanden fühlen, nur dann entsteht echte Compliance.

Genauso wichtig ist Aufklärung. Der Behandlungserfolg entsteht nicht allein in der Praxis– richtiges Schuhwerk, Fußpflege im Alltag, Verständnis für Risiken: Der Patient selbst ist ein aktiver Teil der Therapie. Deshalb bin ich davon überzeugt: Erfolgreich behandeln heißt – verstehen, vorausschauen und den Patienten mitnehmen. Denn wir behandeln nicht nur einen Befund – sondern immer den Menschen dahinter.

Was können Teilnehmer:innen aus Ihren Kursen mitnehmen – was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Was Teilnehmer aus meinen Kursen mitnehmen, geht weit über reine Technik hinaus. Mir ist besonders wichtig, dass sie Sicherheit im Denken und Handeln entwickeln: Haut- und Nagelveränderungen richtig zu beurteilen, Risiken frühzeitig zu erkennen, differenzialdiagnostisch und ganzheitlich zu denken. Nicht nur „wie behandle ich“ – sondern: „Was sehe ich wirklich?“.

Viele kommen mit Unsicherheiten und gehen mit klaren Handlungsstrategien, konkreten Entscheidungshilfen und mehr Ruhe im Umgang mit komplexen Fällen. Oft unterschätzt wird dabei, wie wichtig es ist zu wissen, wann man selbst behandeln kann – und wann man den Patienten weiterverweisen muss. Diese Grenze zu kennen ist echte Professionalität.

Mein Ziel ist nicht, dass jemand nach dem Kurs „mehr weiß“, sondern dass er anders hinschaut, sicherer entscheidet und bewusster handelt. Fachliche Sicherheit, ein geschärfter Blick und das Vertrauen, auch schwierige Situationen zu meistern – das sollen die Teilnehmer mit nach Hause nehmen.

Abseits der Behandlung – wie wichtig ist Ihnen ein Ausgleich zur Praxisarbeit?

Sehr wichtig – gerade weil die Podologie täglich Präzision, Konzentration und Verantwortung fordert. Ich schätze Momente, die mich zur Ruhe bringen und gleichzeitig den Blick für das Wesentliche schärfen. Dieser bewusste Wechsel zwischen Anspannung und Ausgleich ist vielleicht auch das, was gute Behandler:innen und gute Dozent:innen auszeichnet.

FAQs

Wer ist Anke Niederau? +
Anke Niederau ist Podologin mit über 36 Jahren Berufserfahrung, sektorale Heilpraktikerin Podologie und Inhaberin einer Praxis in Düsseldorf. Sie ist Dozentin an der RUCK Akademie sowie Autorin des Standardwerks „Das große Buch der Nagelerkrankungen“, das in fünf Auflagen und zehn Sprachen erschienen ist.
Was lernt man in den Kursen von Anke Niederau? +
Die Kurse vermitteln nicht nur Behandlungstechniken, sondern fördern gezielt klinisches Denken und Urteilsvermögen: Haut- und Nagelveränderungen sicher beurteilen, Risiken frühzeitig erkennen und wissen, wann eine Weiterüberweisung notwendig ist.
Für wen sind die Kurse geeignet? +
Die Kurse richten sich an Podolog:innen und Fußpfleger:innen, die ihre fachliche Sicherheit vertiefen und komplexe Fälle souveräner behandeln möchten – vom Berufseinsteiger bis zur erfahrenen Fachkraft.