Karrierewege in der Podologie: Wie Praxis und Lehrtätigkeit den Beruf bereichern

Eine Person mit blauen Einmalhandschuhen behandelt einen Patienten am Fuß

Zusätzliche Qualifikationen eröffnen neue Perspektiven – das gilt auch für die Podologie. Der Gesundheitsberuf mit klarer medizinischer Ausrichtung bietet nicht nur spannende Aufgaben in der täglichen Arbeit am Patienten. Wer sein Wissen erweitert, kann auch neue Wege einschlagen - zum Beispiel durch ein Studium der Medizinpädagogik. Es verbindet medizinisches Fachwissen mit pädagogischen Kompetenzen. 
Ziel ist es, Fachkräfte auf eine Lehrtätigkeit vorzubereiten – sei es an Berufsfachschulen, Hochschulen oder in der Weiterbildung. So können Podolog:innen nicht nur Patient:innen helfen, sondern auch ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben und die Zukunft des Berufs aktiv mitgestalten.

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„Manchmal muss man Umwege gehen, um dort anzukommen, wo man hingehört.“ – Barbara Fabro

Mit gerade mal 27 Jahren hat Barbara schon viel erreicht: Nach ihrer Ausbildung zur Podologin entschied sie sich für ein Zusatzstudium im Bereich Medizinpädagogik – zwei Berufswelten, die sich perfekt ergänzen. Im Interview berichtet sie, wie es dazu kam, welche Herausforderungen sie gemeistert hat und warum die Kombination aus Praxis und Lehre für sie eine perfekte Mischung ist.

Barbara, wie bist Du überhaupt zur Podologie gekommen?

Ich hatte schon von klein auf Kontakt zur Podologie, da es in unserer Familie seit vielen Jahren eine Podologiepraxis gibt. Deshalb hatte ich vermutlich früher als viele andere ein klares Berufsbild vor Augen, wenn über Podologie gesprochen wurde. Nach dem Abitur war ich zunächst unsicher, welchen Weg ich einschlagen sollte. Es gab viele Ideen – doch der Gedanke an eine Ausbildung in der Podologie ließ mich nicht mehr los. Meine Grundidee damals war: „Das mache ich jetzt einfach, dann habe ich etwas in der Hand, mit dem ich immer arbeiten und meinen Lebensunterhalt verdienen kann.“ Während der Ausbildung fiel mir schnell auf, wie sehr mir der Kontakt zu den Patient:innen liegt und wie spannend das medizinische Fachwissen für mich ist. Erst da wurde mir bewusst wie groß meine Faszination für Medizin und die menschliche Anatomie eigentlich ist. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, mein Wissen noch weiter zu vertiefen. Nach einiger Recherche stieß ich auf den Studiengang Medizinpädagogik, durch den sich nochmal ganz neue Perspektiven für meine berufliche Zukunft eröffneten: So konnte ich meine Leidenschaft für Medizin mit einem zweiten, sicheren Standbein im Bereich der Lehre verbinden.


Frau mit braunen Haaren und Seitenscheitel trägt eine Kette und einen dunkelgrünen Pullover und lächelt in die Kamera

War das Studium so, wie Du es Dir vorgestellt hast?

Kurz und knapp: Ja! Ich hatte von Anfang an großen Respekt davor, ein berufsbegleitendes Studium parallel zu einem Vollzeitjob zu bewältigen. Dazu kam die Entfernung: Die SRH-Hochschule für Gesundheit in Gera war weit weg, und einmal pro Monat stand eine fünftägige Präsenzphase an – und das über sieben Semester hinweg. Das verlangte ein sehr effizientes Zeitmanagement, aber es hat sich gelohnt! Das Studium vereint pädagogisch-didaktische Inhalte mit medizinischen Schwerpunktthemen. Auch wenn viele meiner Schüler:innen älter sind als ich, gibt mir mein Fachwissen Selbstvertrauen – und überzeugt auch die Gruppe. Das Studium hilft mir zusätzlich bei meiner Tätigkeit als Podologin, denn die vertieften medizinischen Inhalte haben mein Verständnis für Erkrankungen und den menschlichen Körper enorm erweitert. So kann ich meinen Patient:innen heute noch besser in einer für sie verständlichen Sprache erklären, was hinter ihren Beschwerden steckt.


Zwei Praxisräume, der linke mit Blick ins Grüne und einem türkisfarbenen Behandlungsstuhl, der rechte mit einem cremefarbenen Bezug

Wie sieht Deine berufliche Tätigkeit heute aus?

Ich arbeite in einem Gesundheits- und Therapiezentrum als Leitung des Fachbereiches Podologie. Drei Tage pro Woche bin ich dort – und liebe diesen praktischen Teil meiner Arbeit sehr. Parallel dazu unterrichte ich als freiberufliche Dozentin an der Schule für Podologie in Neuenbürg im Fach „Anatomie/Physiologie“. Diese Kombination aus Praxis und Lehre ist für mich die perfekte Mischung meiner Interessen und Kompetenzen. Beide Bereiche profitieren enorm voneinander – was ich in der Praxis erlebe, fließt in den Unterricht mit ein und umgekehrt stärkt mein pädagogisches Wissen auch meine Arbeit an den Patient:innen.


Gab es auf Deinem Weg auch Momente, in denen du gezweifelt hast?

Eigentlich nicht. Vielleicht ist das aber auch Typ-Sache: Wenn ich etwas beginne, dann bin ich zu 100 Prozent überzeugt und lasse mich auch nicht mehr davon abbringen. Natürlich war die Zeit während des Studiums oft anstrengend, und manchmal habe ich meine Freund:innen um ihr entspanntes Vollzeit-Studentenleben beneidet. So etwas gab es für mich mit dem berufsbegleitenden Studium und Vollzeitjob nicht. Aber ich wusste immer ganz genau, wofür ich das alles mache – und dieser Gedanke hat mich getragen.

Frau mit einem Zettel in der Hand steht vor einer Schulklasse und unterrichtet

Gibt es ein Highlight aus Deiner bisherigen Laufbahn, das Dir besonders im Kopf geblieben ist?

In meiner Arbeit als Podologin ist jede gelungene Therapie ein Highlight. Es gibt kaum etwas Schöneres, als zu sehen, wie Patient:innen durch die Behandlung spürbar entlastet werden und ihre Lebensqualität zurückgewinnen. Als Dozentin war mein erstes großes Highlight das schriftliche Feedback nach der Unterrichtsevaluation am Ende des Schuljahres. Die Rückmeldungen waren noch positiver und motivierender, als ich es erwartet hätte. Das hat mich enorm bestärkt – und mir einen großen Teil der Unsicherheit genommen, die man automatisch spürt, wenn man zum ersten Mal vor einer Gruppe steht.


Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Konkrete Pläne habe ich im Moment nicht. Ich bin sehr glücklich, dass ich durch meine beiden Berufe flexibel bin und den Schwerpunkt – je nach Lebenssituation – mal stärker auf die Praxis oder auf die Lehrtätigkeit legen kann. Vielleicht investiere ich in Zukunft mehr Zeit in die Bildungsarbeit und übernehme irgendwann eine Schulleitungsfunktion. Oder ich wage den Schritt in die Selbständigkeit mit einer eigenen Podologiepraxis – wer weiß? Ich lasse mich überraschen, wohin mein Weg mich führt.


Zwei Hände in hellblauen Handschuhen bearbeiten den Nagel des großen Fußzehs mit einem Fußpflegegerät

Welchen Rat hast Du für Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem beruflichen Weg sind?

Am wichtigsten ist es, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und sich nicht zu sehr von Außenstehenden beeinflussen zu lassen. Gleichzeitig sollte man immer offen bleiben und neue Impulse annehmen. Oft entwickeln sich Dinge in eine Richtung, die man anfangs gar nicht gesehen hat – und genau daraus entstehen meist die schönsten Veränderungen. Gerade die Podologie zeigt, wie vielfältig und erfüllend ein Beruf sein kann: Von der direkten Arbeit am Menschen bis hin zu wissenschaftlichen oder pädagogischen Perspektiven.

Schüler:innen mit dicken Ordnern vor sich schauen gespannt nach vorne in Richtung Lehrer

Exkurs: Studium Medizinpädagogik

Das Studium der Medizinpädagogik qualifiziert Fachkräfte im Gesundheitswesen, medizinisches Wissen und praktische Fähigkeiten an kommende Generationen weiterzugeben.

Studieninhalte:

  • Medizinische Grundlagen (Anatomie, Physiologie, Pathologie)
  • Pädagogik & Didaktik (Unterrichtsgestaltung, Lernprozesse)
  • Psychologie & Soziologie (individuelle Lernbedürfnisse)
  • Praxisphasen zur Anwendung des Gelernten

Berufsfelder:
Lehrtätigkeit an Fach- und Hochschulen, Fort- und Weiterbildung, Beratung im Gesundheitswesen sowie Leitungsfunktionen in Bildungseinrichtungen.

Allgemeines:
Bachelor- und Masterstudiengänge, in Vollzeit oder berufsbegleitend. Inhalte und Schwerpunkte variieren je nach Hochschule.

Heller langer Flur in einer Praxis mit Blick ins Grüne und Glaswänden als Raumteiler