UK_Fußpflege bei Senioren – Teil 2: Praktische Tipps für gesunde Füße
Von regelmäßiger Bewegung profitieren Herz, Kreislauf und Lunge und das kommt der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des gesamten Organismus zugute. Regelmäßiges moderates körperliches Training wirkt zudem muskelstärkend, davon profitiert ebenso die Knochengesundheit. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, dass Senioren (wieder) gut zu Fuß sind. Dabei kommt es auf die adäquate Hautpflege genauso an wie auf den passenden Druck- und Reibungsschutz. Natürlich sollte gegebenenfalls die orthopädieschuhtechnische Beratung und Versorgung keinesfalls fehlen.
Zum Teil 1: Fußpflege bei Senioren – Gezielt die Fußgesundheit fördern
Praktische Helfer
Ältere Menschen leiden häufig unter Einschränkungen der Beweglichkeit. Hilfe im Alltag bieten hier zum Beispiel:
- Duschhocker
- Teleskop-Schuhanzieher
- Teleskop-Spiegel zur Kontrolle etwa von Diabetikerfüßen
- Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfen
Altershaut gezielt pflegen
Stark trockene Haut hat zahlreiche Folgen, die nicht nur unangenehm sind. Sie können auch die Beweglichkeit einschränken und das Infektionsrisiko erhöhen. Denn mit dieser extrem trockenen Haut, fachsprachlich Xerosis cutis, verbunden sind:
- Juckreiz,
- Hautläsionen (auch durch Kratzen),
- Hyperkeratosen (auch schmerzhafte Clavi und drückende plantare Callositas) mit unter Umständen tiefen, schmerzenden trockenen Rhagaden.
Wichtig!
Grundsätzlich gilt für ältere Menschen zwar die Empfehlung, mehr zu trinken, um trockener Haut vorzubeugen. Doch bei manchen Erkrankungen wie etwa einer Herz- oder Niereninsuffizienz darf die tägliche Trinkmenge nicht erhöht werden!
Trockener Haut vorbeugen
Um der Haut nicht noch zusätzlich Lipide und Feuchtigkeit zu entziehen, empfiehlt sich für die tägliche Körperpflege:
- Nur maximal 15 Minuten duschen oder baden und das nicht öfter als zwei- bis dreimal die Woche bei einer Wassertemperatur von maximal 39 °C.
- Ausschließlich Waschlotionen für trockene Haut bzw. rückfettende „seifenfreie“ und „pH-neutrale“ Duschgele und Badezusätze möglichst ohne Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe verwenden.
- Auf Einreibungen mit Franzbranntwein – etwa der Beine – verzichten, da Alkohol die Haut austrocknet.
Aus diesen Gründen ist gerade bei Senioren die regelmäßige adäquate Pflege der Haut ein Muss. Damit sich der Hydrolipidgehalt von Epidermis und Säureschutzmantel stabilisiert und die Haut sich regenerieren kann, sind Präparate gefragt, die Fett und Feuchtigkeit spenden. Allerdings kommt es hier auf ein ausgewogenes Verhältnis an. So sind Wasser-in-Öl (W/O) -Emulsionen mit einem Fettanteil von über 50 Prozent empfehlenswert, da sie die Haut ausreichend mit Lipiden versorgen. Gleichzeitig schützt der leichte, atmungsaktive Film, den entsprechende Pflegeprodukte auf der Haut bilden, die Epidermis vor einem zu starken transepidermalen Wasserverlust.
Vor allem harnstoffhaltige Pflegeprodukte mit einem Urea-Gehalt von fünf bis 10 Prozent sind hier geeignet. Denn Harnstoff wirkt feuchtigkeitsbindend, unterstützt die Regeneration der Epidermis, hält sie geschmeidig und schützt sie vor Austrocknung sowie Irritationen. In einer Konzentration von 10 Prozent hat Urea außerdem einen juckreizstillenden Effekt und fördert die physiologische Abschuppung der Haut. Grundsätzlich ist Harnstoff gut verträglich. Allerdings sollte er nicht bei nässenden/blutenden Rhagaden, Entzündungen oder Verletzungen zur Anwendung kommen. Bei empfindlicher Haut sollte auf Urea-haltige Produkte verzichtet werden. Im Fall atrophischer/mangeldurchbluteter Haut ist eine Urea-Konzentration ab 10 Prozent kontraindiziert, da sie dann keratolytisch (d.h. hautschälend) wirkt.
Weitere pflegende Inhaltsstoffe für Altershaut sind zum Beispiel entzündungshemmendes Jojoba mit seinem feuchtigkeitsspendenden und -bindenden Effekt. Ebenfalls feuchtigkeitsspendend, reizlindernd und regenerierend wirken Allantoin, Aloe vera, Panthenol und Sheabutter. Vitamin E fördert das Feuchthaltevermögen in der Hornschicht und wirkt ebenfalls regenerierend. Darüber hinaus hat es entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Entzündungshemmend wirken außerdem Pflegepräparate mit Borretschsamen-, Hanf- oder Nachtkerzenöl. Sehr fett- oder gar mineralölhaltige Pflegeprodukte hingegen sind ungeeignet. Denn sie haben einen die Poren verklebenden (okkludierenden) Effekt, der den natürlichen transepidermalen Wasseraustausch behindert.
Die Behandlung von Patienten mit einer pAVK oder anderweitig stark empfindlichen, verletzungs- und infektionsgefährdeten Haut sollte in jeder Hinsicht behutsam – und wenn nötig – zur Schmerzlinderung mit kurzen Unterbrechungen erfolgen. Hier ist auf Folgendes zu achten:
- Die Füße sollten ausschließlich mit einem milden alkoholfreien Desinfektionsmittel vorbereitet werden.
- Bei einem beginnenden Unguis incarnatus ohne Gewebedefekt empfiehlt sich eine sanfte Korrektur etwa mit Vlies-Tamponaden, Smig oder Sulci-Protektoren. Besteht eine Verletzung im Nagelfalz oder hat sich bereits Hypergranulationsgewebe gebildet, sollte der Patient unbedingt an einen Arzt verwiesen werden und die weitere podologische Behandlung in Absprache mit ihm erfolgen.
- Ätzmittel wie Alaun, Albothyl oder Silbernitrat sind hier aufgrund der Verletzlichkeit des Gewebes und der reduzierten Wundheilung absolut kontraindiziert. Aber auch Clavi sind deshalb nur und absolut vorsichtig manuell zu behandeln. Warzen sollten unbedingt von einem Dermatologen entfernt werden.
- Wichtig sind zudem die Prophylaxe und umgehende Behandlung von Fußmykosen, da jede Infektion eine Läsion nach sich ziehen kann. Auf die regelmäßige Anwendung des Präparates (entsprechend dem Beipackzettel) ist der Patient unbedingt hinzuweisen. Mykotisch infizierte Nägel sollten nicht in Eigenregie, sondern durch einen Fußexperten behandelt werden, da beim Abschleifen des Nagels für das umgebende Gewebe Verletzungsgefahr besteht.
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Neben der täglichen Pflege der Fußhaut empfiehlt sich außerdem die regelmäßige Anwendung von Nagelöl mit einem antimykotischen Wirkstoff. Die Öle halten nicht nur die Nagelplatte elastisch und die Umgebungshaut geschmeidig, sondern schützen auch vor einer Pilzinfektion.
Auf alle Fälle angeraten ist der Besuch beim Hautarzt, wenn Juckreiz und/oder eine Entzündung trotz adäquater Hautpflege anhalten oder eine unerklärliche Hautveränderung auftritt bzw. sich ausweitet. Auch im Fall einer eitrigen Paronychie sollten Senioren – gerade mit Diabetes oder pAVK – umgehend einen Arzt aufsuchen!
Entlastung & Schutz
Um übermäßiger Hornhautbildung und damit verbundenen Beschwerden vorzubeugen, sind Druck- und Reibungsschutz an exponierten Hautarealen ebenso gefragt wie korrigierende Maßnahmen bei Zehenfehlstellungen. Das Spektrum an konfektionierten Produkten aus Fixiervlies, Moleskin-Gewebe, Leder, Polyurethan- oder Latexschaum, Trikotflausch, Wollfilz, Silikonschaum und -gel ist dabei vielfältig. Es reicht von Ballen-, Vorfuß- und Fersenpolstern bzw.-kissen, Zehenteilern und -schutzringen bis hin zu Hühneraugen-Schutzpolsterringen, Gel-Schläuchen, zuschneidbaren Polsterplatten ebenso wie dünnen, selbstklebenden, elastischen Latex- und Silikonplatten – um nur einige der Möglichkeiten zu nennen.
Darüber hinaus bietet der Markt Druckschutzartikel aus Polymergel. Diese sind nicht nur besonders anschmiegsam, elastisch, hautfreundlich und hypoallergen, sondern sie geben auch Paraffinöl ab, das übermäßiger Hyperkeratose vorbeugt und die Haut geschmeidig hält. Doch auch wenn konfektionierte Produkte oftmals Beschwerden lindern, nicht immer ist ihre Passform bzw. ihr Sitz perfekt; außerdem ist ihre Haltbarkeit begrenzt. Bei ihrer Anwendung ist also eine regelmäßige, engmaschige Kontrolle oftmals unerlässlich.
Bringen die konfektionierten Produkte nicht den gewünschten Erfolg, bietet unter Umständen eine maßgefertigte Silikon-Orthese die Lösung. Eventuell wird aber auch eine langfristige Korrektur- bzw. Entlastungsmaßnahme durch den Orthopädieschuhtechniker erforderlich. In diesem Fall sollte der Patient einen Orthopäden aufsuchen, der ihm die entsprechende Entlastungs- bzw. Korrekturmaßnahme verordnet.
Wo drückt’s?
Eine optimale Einlagen- oder Schuhversorgung gewährleisten Fußscan und Pedographie.
Der Fußscan zeigt digital die Gewichtsbelastung und Druckverhältnisse plantar im Stehen sowie die Größe und Breite der Füße. Die Pedographie ist eine dynamische Fußdruckmessung, bei welcher der Patient über eine mit Sensoren ausgestattete Druckmessplatte läuft. Mit Hilfe eines speziellen PC-Programms werden die daraus resultierenden Daten analysiert. Die Untersuchung dient der dynamischen und statischen Fußdruckmessung sowie der Ganganalyse. Die Abrollbewegung der Füße mit ihrer Druckverteilung und den dabei entstehenden individuellen Belastungen werden grafisch in Farbe dargestellt.
Ganz wichtig ist außerdem das Thema „Schuhberatung“:
In bequeme, gut passende, leicht anzuziehende Schuhe mit rutschfesten Sohlen investiertes Geld ist gut investiertes Geld, denn das richtige Schuhwerk hilft, Ulzerationen und Stürzen vorzubeugen.
- Gerade Senioren sollten sich Zeit für den Schuhkauf nehmen: das heißt, die Schuhe mindestens zehn Minuten lang im Schuhgeschäft ausprobieren. Optimal ist dabei der Nachmittag, denn dann sind die Füße meist leicht geschwollen.
- Schuhe mit Klettverschluss erleichtern nicht nur Menschen mit Bewegungseinschränkungen das An- und Ausziehen. Sie bieten zudem die Möglichkeit, bei Anschwellen der Füße oder bei Ödembildung die Schuhweite ganz leicht auf das passende Maß einzustellen.
- Die Schuhe sollten möglichst flach (mit einem Absatz von maximal vier Zentimetern) und für die Zehen breit genug sein.
- Sohlen aus PU mit Profil sind nicht nur rutschfest, sie dämpfen auch den Schritt und entlasten damit die Gelenke.
- Darüber hinaus sollten die Schuhe Platz für Druck- und Reibungsschutz bieten.
- Für den Fall, dass orthopädische Einlagen erforderlich sind, empfehlen sich Schuhe mit herausnehmbaren Innensohlen.
Bei Diabetikern ist eine adäquate stadiengerechte Schuhversorgung zur Vermeidung von Läsionen unerlässlich. Handelt es sich beispielsweise um die Risikogruppe 0 und I (nach Wagner), das heißt, um einen Diabetes ohne periphere Polyneuropathie und pAVK und nur mit einer geringen Fußdeformität wie etwa einem Spreizfuß, dann ist ein fußgerechter Konfektionsschuh angezeigt. Hier schützt beispielsweise ein durchgehendes, nahtfreies, weiches Innenfutter die Fußhaut, eine weiche Zehenkappe die Zehen, eine gepolsterte Zunge den Rist und eine lange, gepolsterte Hinterkappe sorgt für einen druckfreien Halt der Ferse.
Abhängig von den weiteren Risikogruppen, die bis hin zu Gruppe IV gehen (hier handelt es sich um Diabetes mit Sensibilitätsverlust, relevanter pAVK sowie hochgradigen Zehen- und Fußdeformationen) können zum Beispiel orthopädieschuhtechnische Schuhzurichtungen wie eine Sohlenversteifung, eine Verbreiterung des Schuhbodens und/oder des Schaftes erforderlich werden, ebenso wie eine Ballen-, Mittelfuß- oder Absatzrolle. Diese verbessern das Abrollverhalten des Fußes und entlasten damit unter anderem die Gelenke. Unter Umständen ist die Versorgung mit Diabetesschutzschuhen oder knöchelübergreifenden orthopädischen Maßschuhen – beide mit einer Diabetes-adaptierten Fußbettung – sowie einem Innenschuh nach Maß unerlässlich. Neben der Verordnung durch den Arzt ist hier die Beratung und Betreuung durch einen versierten Schuhorthopädietechniker erforderlich, der auch regelmäßig die Kontrolle der Passform durchführt.
Bildunterschriften
Bild 1: Typisch trocken-schuppige Altershaut.
Bild 2-3: Bei diesem 88-jährigen Patienten besteht neben einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit auch eine hochgradige chronische venöse Insuffizienz (CVI). Im 2. Bild sind die Atrophie der Haut sowie die Venenzeichnung deutlich sichtbar. Im 3. Bild zeigt sich eine komplett Braunfärbung durch Hämosiderin-Einlagerungen, wie sie für eine CVI typisch sind.
Bild 4: Eine durch pAVK bedingte Nagelwachstumsstörung. Ein solcher Befund wird häufig mit einer Onychomykose verwechselt. Zur Sicherheit sollte in solch einem Fall eine entsprechende Diagnostik durch den Dermatologen erfolgen.
Autorin: Barbara von Wirth M. A., Fachjournalistin
Bilder 1-4: @Verlag Neuer Merkur
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